Zur Herstellung unserer Kernprodukte Zuschlagstoffe und Zement verwenden wir hauptsächlich Rohstoffe aus unseren eigenen Steinbrüchen, Kies- und Sandgruben in direkter Nachbarschaft zur Produktionsstätte. Bei der Produktion von Zuschlagstoffen verarbeiten wir die Rohstoffe aus den Abbaustätten ohne Zusätze weiter.
Alternative Rohstoffe für die Zementherstellung
Für die Herstellung von Klinker, dem wichtigsten Zwischenprodukt bei der Zementherstellung, setzen wir alternative Rohstoffe ein – von Altsanden aus Gießereien und Formgipsen aus der Porzellanindustrie bis hin zu Kalkschlämmen aus der Trinkwasseraufbereitung. Durch den Einsatz von Zumahlstoffe bei der Zementmahlung reduzieren wir den Anteil des aufwendig zu brennenden Klinkers im Endprodukt.
Wir verwenden hauptsächlich Hüttensande aus der Stahlerzeugung und Flugasche, ein Nebenprodukt aus Kohlekraftwerken. Der Einbruch der Stahlproduktion infolge der Finanzkrise führte 2009 zu einer Verknappung von Hüttensand. Deshalb mussten wir unser Zementportfolio teilweise umstellen. Traditionell sind im Bereich der Hüttensande unsere osteuropäischen und indischen Werke führend, so wurden beispielsweise in der Ukraine oder Russland Zementwerke direkt neben Hüttenwerke gebaut um Synergien zu schaffen. Das hier gewonnene Know-how übertragen wir nach und nach auch auf andere Regionen. Insgesamt ging der Anteil der Sekundärrohstoffe an der Klinker- und Zementproduktion von 13,0 % im Jahr 2008 auf 11,6 % im Jahr 2010 zurück. Unser Ziel, den Klinkeranteil im Zement noch weiter zu senken, haben wir im Berichtszeitraum nicht erreicht: Der Anteil liegt derzeit bei 76,1 %.
Sekundärbrennstoffe ersetzen natürliche Ressourcen
Noch wichtiger ist es für HeidelbergCement, wo immer möglich fossile Brennstoffe durch sekundäre Brennstoffe zu ersetzen. Durch die Verwendung von Abfallstoffen und Nebenprodukten anderer Branchen bei der Zementproduktion tragen wir zur Bewahrung natürlicher Ressourcen bei und bieten Lösungen für ein nachhaltiges Abfallmanagement. Welche Stoffe eingesetzt werden, hängt von Faktoren wie Verfügbarkeit und Brennwert ab. Außerdem achten wir auf die chemische Zusammensetzung, um schädliche Emissionen und nachteilige Auswirkungen auf die Umweltverträglichkeit des Produktes zu vermeiden. Bei Auswahl und Einsatz der Sekundärstoffe richten wir uns nach der im World Business Council for Sustainable Development entwickelten Leitlinie.
Unsere Strategie für alternative Brennstoffe konzentriert sich auf drei weltweit verfügbare Abfallströme:
- Heizwertreiche und sortierte Fraktionen von Hausmüll und Siedlungsabfällen
- Klärschlamm
- Überwachungsbedürftige Abfälle
Der Anteil der Sekundärbrennstoffe (inkl. Biomasse) am Brennstoffmix erreichte im Jahr 2010
20,5 %. Damit bleibt HeidelbergCement Spitzenreiter unter den internationalen Zementherstellern.
Innovative Nutzung alternativer Brennstoffarten
Aufbereitung und Einsatz überwachungswürdiger Abfälle haben wir 2010 deutlich ausgeweitet. Dies gelang beispielsweise durch die Inbetriebnahme der hochmodernen Aufbereitungsplattform von Recyfuel in Belgien. Aber auch in deutschen und indonesischen Werken setzten wir diese Abfälle vermehrt ein. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Altfarben und -lacken, gebrauchten Ölfiltern sowie Dachpappe. Ein interner Workshop bot im Jahr 2010 Experten aus verschiedenen Konzerngebieten die Gelegenheit, sich über Erfahrungen und Praxisbeispiele zum Einsatz dieser Abfälle auszutauschen.
Die Verwendung von Klärschlamm haben wir 2010 vor allem in Nordamerika und in der Türkei ausgeweitet. Außerdem haben wir in verschiedenen Werken in Belgien und Deutschland erfolgreich Praxisversuche mit Klärschlamm durchgeführt. In Ungarn und Nordeuropa konnten wir darüber hinaus die Nutzung von Kunststofffraktionen aus Siedlungsabfällen – trotz angespannter Märkte – signifikant steigern.
Unsere Kriterien für den Einsatz alternativer Roh- und Brennstoffe
Beim Einsatz von Sekundärmaterialien achten wir besonders auf die Qualität unserer Produkte, auf die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, Nachbarn und Kunden sowie auf den Umweltschutz. Die Rahmenbedingungen und Kriterien für einen sicheren Umgang mit alternativen Roh- und Brennstoffen sind zudem in einer konzerneinheitlichen Richtlinie verankert. Darüber hinaus begleiten unsere Sekundärstoffspezialisten jeden Einsatz eines neuen Sekundärstoffs in unseren Werken. Zweimal jährlich finden Schulungen zum sachgerechten Umgang mit besonders überwachungswürdigen Abfallstoffen statt. Auf einer umfangreichen Wissens- und Informationsplattform im Intranet können sich unsere Mitarbeiter über das Thema zusätzlich informieren und austauschen.