| Rademacher: Nein, denn auch wir wissen, dass natürliche Auenwälder erhalten werden müssen. Auch für uns sind das Tabugebiete, und davon lassen wir die Finger. Kleineren Zielkonflikten mit lokalen Naturschutzverbänden und Standortgemeinden müssen wir uns aber immer wieder stellen. Denn wir sind in unserer Standortwahl beschränkt und können nicht einfach irgendwo abbauen sondern nur dort, wo nutzbare Rohstoffe zu finden sind. Dann ist mit Hilfe einer Umwelt-verträglichkeitsprüfung zu klären, ob der Abbau an dieser Stelle naturverträglich möglich ist. Dazu |
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Baumann: Ich kann hier nur zustimmen. Oft ist es gar keine Frage ob, sondern wie man abbaut. Nämlich umweltverträglich, auf den Artenschutz bedacht und mit Rücksicht auf die Interessen der Stakeholder. HeidelbergCement hat hier in den vergangenen Jahren den kritischen Dialog mit uns gesucht und bewiesen, dass sich das Unternehmen intensiv um das „Wie“ des Abbaus kümmert. Die Erfahrung zeigt: Je früher man miteinander spricht, desto eher können Konflikte vermieden und positive Effekte erzielt werden. Viele Abbaustätten sind heute Biotope aus Menschenhand und damit ein Gewinn für alle.
Kontinuierlicher Standortdialog ist also ein Muss für HeidelbergCement?
Rademacher: Genau. Unternehmen wie wir sind extrem gut beraten, den Dialog mit den Gemeinden und lokalen Umweltverbänden weit im Voraus zu suchen und dauerhaft zu pflegen. Deswegen organisieren wir beispielsweise Tage der offenen Tür, Diskussionsabende oder Schul- und Naturschutzkooperationen. Wir erfahren seit Jahren, dass dort, wo wir den Standortdialog fördern, weniger Konflikte entstehen. Steht ein Abbauvorhaben in einem unlösbaren Konflikt mit dem Naturschutz, sind also sehr seltene Arten oder nur schwer wieder herstellbare Lebensräume betroffen, dann rate ich den Verantwortlichen auch schon mal von einem Projekt ab. Wenn wir andererseits der Meinung sind, aus ökonomischen Gründen abbauen zu müssen und die Umweltverträglichkeit ist gegeben, dann kämpfen wir auch für die Durchsetzung.
Tut HeidelbergCement denn genug für den Erhalt der Artenvielfalt?
Baumann: Ich möchte jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass Naturschutzverbände unersättlich sind. Aber „genug“ ist ein Wort, das wir selten verwenden. Wir sehen, dass HeidelbergCement auf einem guten Weg ist und auch im Vergleich zu anderen Unternehmen verwandter Branchen an der Spitze steht. HeidelbergCement muss diesen Weg kontinuierlich weitergehen.
Rademacher: Das werden wir tun. Aber ich sehe auch die Naturschutzverbände in der Pflicht, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten über den Naturschutz als Folgenutzung von Abbaustätten. Wir wissen, dass Steinbrüche, die sich selbst überlassen werden eine extrem hohe Biodiversität aufweisen. Dieses Wissen gilt es gemeinsam zu verbreiten und deutlich zu machen, dass eine Renaturierung im Sinne des Naturschutzes eine wertvolle Alternative zur land- oder forstwirtschaftlichen Folgenutzung ist.
Das sieht nach großer Einstimmigkeit zwischen Rohstoffabbau und Naturschutz aus.
Baumann: Vorsicht, der Teufel liegt im Detail! Wenn es an die Umsetzung an einer konkreten Abbaustätte geht und die wirtschaftlichen Interessen vor Ort sichtbar werden, kann es natürlich zu Konflikten kommen und der Ton auf beiden Seiten wird schärfer. Unser Ziel ist es aber, durch Gespräche im Vorfeld mögliche Konflikte zu vermeiden.
Rademacher: Das sehen wir genauso. Kontroverse Diskussionen und unterschiedliche Meinungen wird es zwischen Standortgemeinden, Naturschützern und abbauenden Unternehmen immer wieder geben. Aber wenn man sich die Anzahl solcher Konfliktfälle pro Jahr anschaut, lässt sich erkennen, dass sie in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen haben. Das spricht für die Vereinbarkeit von Rohstoffabbau und Naturschutz. |