Praktikum im weltweit größten Zementwerk von HeidelbergCement

Erfahrungsbericht von Simon K., Praktikant bei HeidelbergCement

Hallo, ich heiße Simon K. und studiere Maschinenbau an der RWTH Aachen. Im 5. Semester stand mein Pflichtpraktikum an. Das habe ich um 3 Monate verlängert und hatte so das unglaubliche Glück ein halbes Jahr in einem der größten Zementwerke der Welt in Indonesien arbeiten zu können. Ich hatte außerdem die Chance dort meine Projektarbeit zu verfassen.

HeidelbergCement ist eines der größten Unternehmen Deutschlands, zweitgrößter Zementproduzent der Welt und außerdem Weltmarktführer im Bereich Zuschlagstoffe. Die Firma bietet somit sehr gute Karrieremöglichkeiten. Ich interessiere mich außerdem für die Verfahrenstechnik und große Industrieanlagen haben mich auch schon immer begeistert. Ich bewarb mich also initiativ für ein Auslandspraktikum. In Gesprächen mit der Personalabteilung klärten wir, wo mein Einsatzort sein sollte. Meine Wunschregion war von Anfang Asien, sodass bald fest stand, dass ich mein Praktikum in Indonesien bei Indocement absolvieren würde. Andere Optionen wären Afrika, Osteuropa und auch Nordamerika gewesen. Um einen ersten Einblick in die Zementherstellung zu bekommen, konnte ich zunächst drei Wochen im Werk in Leimen bei Heidelberg verbringen. Danach ging es schon in das bald größte Zementwerk der Welt nach Citeureup.

»IN INDONESIEN WAR WIRKLICH ALLES ANDERS, ALS ICH ES AUS DEUTSCHLAND KENNE!«

Das liegt etwa 20 km südlich von Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Dort werden zehn Produktionsanlagen betrieben. Neben den Produktionsanlagen und zwei Steinbrüchen gibt es auch ein Kraftwerk, eine Sackfabrik, ein Wasserwerk und eine Zweigstelle des HeidelbergCement Technology Centers (HTC). Dies bringt eine unglaubliche Vielfalt von beruflichen Disziplinen mit sich. Kaufleute sind im Zementwerk neben Naturwissenschaftlern wie Biologen und Geologen genauso vertreten wie die Ingenieure verschiedenster Fachrichtungen. In meinem Hauptprojekt zur Projektarbeit beschäftigte ich mich mit der Optimierung eines Luftstromsichters im Rohmehlbereich. Der Luftstromsichter ist ein Anlagenteil, der gemahlenes Material nach der Partikelgröße klassifiziert. Feines Material wird als Produkt abgeschieden wohingegen gröberes Material zurück zur Mühle geführt wird. Diese Maschine ist somit maßgebend für die Effizienz einer Mahlanlage.

Während meines Praktikums hatte ich außerdem die Chance an weiteren, kleineren Projekten in verschiedenen Bereichen einer Produktionsanlage zu arbeiten. Bei diesen Projekten ging es darum Maschinen in den Anlagen zu optimieren, die schon seit längerer Zeit zu Problemen geführt hatten. Es war immer wichtig die Maschine und ihre Aufgabe genau zu verstehen, um Rückschlüsse auf das eigentliche Problem zu ziehen. Das Wissen, das ich mir bis dahin im Studium angeeignet hatte war dafür von großem Wert. Bei allen Projekten wurde ich stets von den indonesischen Ingenieuren und von Mitarbeitern des HTC unterstützt. Wir trafen uns regelmäßig, um den Fortschritt meiner Projekte zu besprechen. Selbstverständlich bekam ich auch außerhalb der Treffen tatkräftige Unterstützung.

Ein weiteres Ziel eines Auslandspraktikums ist natürlich auch, eine andere Kultur kennen zu lernen. Für mich war daher von Anfang an Asien attraktiv. In Indonesien war wirklich alles anders, als ich es aus Deutschland kenne: der Verkehr, das Essen, die Organisation des Unternehmens, die Arbeitsweise und auch mein Lebensstandard. Die Arbeitsweise unterscheidet sich sehr von der in Deutschland. Meetings finden z.B. noch häufiger statt. Die einfachen Arbeitskräfte sind schlecht ausgebildet und haben oft auch nur einfache Werkzeuge zur Verfügung. Auch müssen die Arbeiter mehr angeleitet werden. Zu einem höheren Lebensstandard verhalf mir die großzügige Vergütung inklusive eines persönlichen Fahrers und ein gut ausgestattetes Appartement in einem belebten Viertel im Süden Jakartas.

Wer in Jakarta wohnt, muss sich auf lange Fahrzeiten einstellen. Für die 20 km zum Werk brauchte ich in der Regel ein bis zwei Stunden. Verkehrsregeln sind zunächst für einen Europäer nicht zu erkennen und öffentliche Verkehrsmittel gibt es kaum. Ich musste somit lernen, die lange Zeit im Auto sinnvoll zu nutzen.

Es war schwer, enge Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen, sodass ich meine Freizeit weitestgehend mit anderen Ausländern in Jakarta verbrachte. Ein Grund hierfür könnte das stark ausgeprägte Hierarchiedenken sein. Ein anderer Grund sind sicherlich auch die doch sehr unterschiedlichen Kulturen.

»ES GIBT ZAHLREICHE ALTE TEMPEL, TRAUMHAFTE STRÄNDE, ERSTKLASSIGE TAUCHGEBIETE, GRANDIOSE VULKANLANDSCHAFTEN.«

Für mich war es eine besondere Herausforderung mit der indonesischen Kultur und Arbeitsweise klar zu kommen. Es machte mir viel Spaß, im Hörsaal Erlerntes in die Praxis zu übertragen. Die abwechslungsreichen Projekte haben mir auch sehr gefallen. Ich habe viel über die Konstruktion von Maschinen, die Elektrotechnik und auch die Verfahrenstechnik gelernt. Neben der Arbeit im Betrieb hatte ich auch die Chance, das Land zu bereisen. Indonesien hat sehr viel zu bieten. Es gibt zahlreiche alte Tempel, traumhafte Strände, erstklassige Tauchgebiete, grandiose Vulkanlandschaften und Jakarta ist für sein Nachtleben bekannt.

Meine Erwartungen an das Praktikum wurden voll und ganz erfüllt bzw. übertroffen. Ich habe unglaublich viel gelernt und konnte einen tiefen Einblick in die Zementherstellung bekommen. Darüber hinaus habe ich viel von Indonesien gesehen und bin in diese andere Kultur eingetaucht. Zusammengefasst hat mich diese Zeit persönlich sehr weitergebracht.