„Führungskräfte für morgen entwickeln“

Anton Alvila arbeitet seit 4. September 2016 als Werksleiter-Trainee bei HeidelbergCements Zuschlagstoffunternehmen Jehander in Stockholm. Zuvor war er bereits ein Jahr lang als Ausbildungsbeauftragter im Unternehmen tätig. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Maschinenbau mit Spezialisierung in Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre. Während des bereichsübergreifenden Traineeprogramms ist er im Riksten-Steinbruch im Süden Stockholms eingesetzt.

Niclas Pettersson gehört zum Produktionsteam und ist verantwortlich für die sechs Jehander-Steinbrüche in der Region Stockholm, einschließlich eines mobilen Werks. Niclas arbeitete zunächst als Monteur und Installateur für ein Sub-Unternehmen von Jehander. Vor 26 Jahren wurde ihm eine Stelle als „mobiler“ Installateur angeboten. Seitdem hat er sich vom Installateur zum Supervisor und jetzt Produktionsmanager von sechs Steinbrüchen weiterentwickelt und verfügt über umfangreiches Fachwissen. Jehander umfasst die schwedischen Aktivitäten von HeidelbergCement im Geschäftsbereich Zuschlagstoffe in Nordeuropa.

Mitarbeiter aus Schweden. Mitarbeiter aus Schweden, Riksten-Steinbruch

Was ist in Ihrem Job als Trainee/Werksleiter und Produktionsmanager besonders wichtig?

Anton:
Ruhig bleiben, besonnen und strukturiert sein. Man muss ein guter Planer sein und es mögen, eine Menge Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. In Riksten sind wir ein Team aus 15 Personen.

Niclas:
Offenheit und Klarheit sind wichtig und man muss die Menschen bei der Arbeit lernen lassen. Ich habe Personalverantwortung, auch für die Werksleiter der Steinbrüche in der Region Stockholm.

Was ist wichtig in der Beziehung Mentor und Trainee?

Anton:
Der Mentor muss den Wunsch haben, eine Person aufzubauen. Das ist wie ein Puzzle: Alles Wichtige für das Geschäft wird zusammengefügt. Der Mentor muss den Trainee dabei unterstützen, seine Führungseigenschaften zu entwickeln und ihn sowohl als Kollegen als auch als Lernenden sehen. Es ist eine Frage der richtigen Balance zwischen Ausbildung und Verantwortung.

Als Trainee muss man sich sicher fühlen und den Mentor wenn nötig kontaktieren können. Da Niclas die Verantwortung für die gesamte Region Stockholm hat, ist er viel in den Steinbrüchen unterwegs. Aber wir telefonieren fast jeden Tag miteinander.

Niclas:
Wichtig ist, dass man die Möglichkeit hat und selbst dazu bereit ist, sich Zeit zu nehmen – ohne zu übertreiben. Das gilt für Mentor und Trainee. Ich war nie zuvor ein Mentor, aber ich habe ein umfangreiches Fachwissen und weiß, was für die Arbeit wichtig ist.

Welchen Mehrwert hat eine Mentor-Trainee-Beziehung?

Anton:
Als Trainee hat man viel mehr Zeit in seine Rolle hinein zu wachsen, ein Netzwerk aufzubauen und andere Mitarbeiter zu treffen. Kurzgesagt, man kann Kontakte zu Kollegen knüpfen, die bei verschiedenen Fragen weiterhelfen können. Auch wenn ich einmal selbst mit einer Frage oder einem Problem nicht weiterkomme, gibt es im Unternehmen immer jemanden, den ich fragen kann.

Das Traineeprogramm ermöglicht es mir, einen Gesamtüberblick zu bekommen. Gleichzeitig habe ich ein Projekt und trage Verantwortung. Das Traineeprogramm umfasst die ganze Bandbreite.

Niclas:
Anton wird einen ganz anderen Einblick in das Unternehmen als Ganzes bekommen und Mitarbeiter aus wesentlich mehr Konzernbereichen kennenlernen, als wenn er direkt in einer bestimmten Funktion eingestellt worden wäre. Er kann so viel schneller Kontakte knüpfen, als es mir möglich war.

Mitarbeiter aus Schweden. Mitarbeiter aus Schweden, Riksten-Steinbruch

Hat es bei Jehander Veränderungen gegeben, seit Sie im Unternehmen sind?

Anton:
In der kurzen Zeit, die ich hier arbeite, hat es einige Veränderungen im Management gegeben. Wir haben das lokale Management wieder gestärkt, Mitarbeiter mit großem Fachwissen werden in den Werken stärker in die Entscheidungsfindung eingebunden. Andere Veränderungen ergaben sich aus Regierungsbeschlüssen zur Gewinnung von natürlichem Kies. Und man merkt, dass sich der Markt verändert.

Niclas:
Seit meinem Eintritt ins Unternehmen ist der Zuschlagstoffbereich in Nordeuropa viel größer geworden. Besonders viel hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren verändert. Im Produktionsbereich gibt es komplett neue Prozesse. Themen mit denen wir uns beschäftigen sind die Schonung natürlicher Kiesressourcen und die verstärkte Verwendung von Schotter.

Haben Sie einen guten Rat für andere Trainees/Mentoren?

Anton:
Hab keine Angst, Dinge auszuprobieren und Fehler zu machen, um daraus zu lernen. Und am Wichtigsten: Bau dir ein Netzwerk auf, das so groß wie möglich ist. Diese Möglichkeit hat man nur als Trainee, darum sollte man sie nutzen! Besuche andere Werke und schau, was dort gemacht wird. Triff andere Mitarbeiter aus der Produktion, um ein größeres Verständnis für das Geschäft zu bekommen.

Niclas:
Es ist wichtig, in einem offenen Dialog mit dem Trainee zu stehen, Rat zu geben und da zu sein, wenn es nötig ist. Anton ist motiviert, darum muss ich ihn nicht zur Arbeit antreiben.

Schweden ist bekannt für die Arbeitnehmermitbestimmung. Was sind die Vor- und Nachteile?

Anton:
Einige Menschen möchten mitreden, andere weniger. Arbeitnehmer in Schweden werden gern mit einbezogen bei Themen, die sie persönlich betreffen. Die Atmosphäre ist einfach besser, wenn ich bei meinen Entscheidungen, die die tägliche Arbeit betreffen, Mitarbeiter in die Entscheidungsfindung mit einbeziehe. Der Nachteil ist, dass Entscheidungen dann meist etwas länger brauchen.

Diese zeitliche Verzögerung lohnt sich aber, da getroffene Entscheidungen akzeptiert werden. Trifft eine Person alleine eine Entscheidung, könnte sie überstürzt sein. Und ohne vollen Einblick in die täglichen Abläufe könnte sie auch falsch sein. Bezieht man zum Beispiel den Arbeiter, der eine Maschine bedient, in die Entscheidungsfindung mit ein, wenn eine neue Maschine angeschafft werden soll, könnte die Anschaffung unter Umständen aufgrund zusätzlicher Funktionalitäten teurer werden. Oft profitiert man jedoch davon, dass die Arbeit dann schneller erledigt werden kann.

Niclas:
Der Vorteil ist, dass jeder mit an Bord ist. Mit einer gemeinsamen Entscheidung kann man leichter leben, auch wenn sie im Nachhinein einen kleinen Haken hat. Sonst würde man allein mit dem Problem dastehen. Es gibt keine Garantie dafür, aber je mehr Menschen in die Entscheidungsfindung einbezogen sind, umso mehr sehen auch Vor- und Nachteile.

Mitarbeiter aus Schweden. Mitarbeiter aus Schweden, Riksten-Steinbruch

Wie unabhängig sind Sie in Ihrer Arbeit?

Anton:
Ich persönlich bin sehr frei bei meiner Arbeit. Ich weiß jederzeit, um was ich mich kümmern muss. Weiß ich das einmal nicht, frage ich den Manager, welche Priorität sie oder er hat.

Niclas:
Anton kann sehr unabhängig arbeiten. Und heutzutage, da es so einfach ist, über E-Mail und Telefon in Kontakt zu bleiben, stehen wir kontinuierlich im Dialog miteinander. Wie unabhängig jemand bei seiner Arbeit sein kann, ist eine Kombination aus der eigenen Persönlichkeit und dem Wissen über die Produktion.

Man muss auch bereit sein, bei der Arbeit zu lernen. Und es muss möglich sein, Fehler zu machen. Sonst kommt man nicht weiter.

Was liegt in Ihrer Verantwortung?

Anton:
Als Trainee übernimmt man direkt Verantwortung, aber man trägt keine Schuld, wenn einmal etwas schief läuft. Das Unternehmen möchte, dass Trainees Verantwortung übernehmen, es baut auf sie. Trainees sollen Fortschritte erzielen wollen und auch erzielen. Über die Zeit zahlt es sich aus, Verantwortung zu übernehmen. Man darf Fehler machen. Das wurde mir gegenüber oft betont.

Niclas:
Trainees übernehmen viel Verantwortung. Man sollte ihnen nicht zu früh Personalverantwortung geben, aber Anton kann auch das in gewissem Umfang ausprobieren. Anton ist dafür verantwortlich, dass alles Nötige an Ort und Stelle ist, Ersatzteile zum Beispiel, und zusätzliches Personal anzufordern, wenn es nötig ist.

Mitarbeiter aus Schweden. Mitarbeiter aus Schweden, Riksten-Steinbruch

(Das Interview wurde 2016 geführt.)