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HeidelbergCement in Deutschland

Steinbruch Kapf: ehemalige Abbauflächen werden der Natur zurückgegeben

Die Zukunft säen: Wandel im Steinbruch

Als der Steinbruch Kapf bei Istein in Süddeutschland angelegt wurde, mussten ihm Felder und Wälder weichen. Jetzt ist er zum Teil wieder aufgefüllt. Trotzdem ist nichts mehr so, wie es vorher war: Mit speziellen Flächen für seltene Pflanzen- und Tierarten neben dem typischen Wald soll sich der ehemalige Steinbruch bewusst von der Umgebung abheben.

 
Während Lkw Material aus dem Steinbruch abtransportieren, füllen ihn Förderbänder mit Material aus dem Katzenbergtunnel wieder auf.
Ein seltsamer Anblick bot sich im vergangenen Jahr am Steinbruch Kapf im Landkreis Lörrach Plötzlich fuhren nicht nur, wie gewohnt, voll beladene Lkw vom Steinbruch weg, es kamen auch gleichzeitig welche an. Der Grund für diese scheinbar verkehrte Welt: Neben dem Abbau wurde eine Hälfte des Steinbruchs wieder aufgefüllt. Das Material dafür stammte vom Aushub des Katzenbergtunnels, der in der Nähe gebaut wurde. Etwa zweieinhalb Millionen Kubikmeter tonige Erde landeten so im Steinbruch Kapf.
„Wir können nun eine Fläche von neun Hektar der Natur zurückgeben“, freut sich Peter Leifgen, Werksleiter des Kalkwerks Istein, das den Steinbruch Kapf betreibt. Dazu hat der Biologe Wolfgang Röske vom Freiburger Fachbüro IFÖ in Zusammenarbeit mit Dr. Michael Rademacher, Team Leader Recultivation and Nature Protection bei HeidelbergCement, einen genauen Rahmenplan erarbeitet – in enger Abstimmung mit den zuständigen Forst- und Naturschutzbehörden. Darin wurde genau festgelegt, wo und in welcher Form das Material aus dem Katzenbergtunnel abgeladen wird und was mit den Flächen im Einzelnen geschehen soll. Keine einfache Aufgabe, denn die Biologen hatten etwas Ungewöhnliches vor, das viel Überzeugungsarbeit erforderte: Sie planten nicht nur, den standorttypischen Wald nachwachsen zu lassen, der später wieder wirtschaftlich genutzt werden soll. Sie wollten auch Steinbruchflächen erhalten – als Refugium für seltene Pflanzen- und Tierarten. „Hier soll nichts passieren, wir werden nicht eingreifen“, betont Biologe Röske. „Das dürfte sehr spannend werden, dem natürlichen Verlauf zuzusehen.“

Für die Wiederherstellung des Waldes führten die beiden Biologen eine neue Vorgehensweise ein: Statt gleich mit Setzlingen zu arbeiten, vertrauen sie auf die Kraft der Samen. „Die Setzlinge kommen meist aus Betrieben, in denen sie geschützt aufwachsen. Hier im Steinbruch sind sie anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Viele gehen daher ein, und es müssen neue Setzlinge gepflanzt werden. Das kostet Zeit und Geld.“ Streut man  
hingegen unterschiedliche Samen aus, so setzen sich nur diejenigen durch, die am besten an diesen Standort angepasst sind. „Das dauert zwar einige Jahre länger, spart dafür aber Arbeit und Geld“, ist Röske überzeugt.

Doch zuerst musste die aufgefüllte Fläche präpariert werden: Sie erhielt einen Mantel aus Mutterboden, etwa einen Meter dick und festgehalten durch ein Jutenetz, damit nicht die ersten Regenfälle gleich alles wegschwemmen. Als erste Schicht landete Wiesenmahd aus der nahen Umgebung auf dem neuen Gelände. Die Gräser säten sich selber aus, so dass schon das erste Grün ökologisch ins Umfeld passte. „Ursprünglich herrschte in diesem Gebiet die Rotbuche vor, und diese soll hier auch wieder wachsen“, sagt Michael Rademacher. „Doch um dem Boden mehr Halt zu geben, haben wir auch Samen von einheimischen Sträuchern in die Deckschicht eingearbeitet, wie Hartriegel, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Wildrosenarten oder Schneeball.“ In sieben separaten Rekultivierungsabschnitten säten die Biologen elf verschiedene Baum- und Straucharten. „Mit dieser Vorgehensweise beschreiten wir neue Wege der Rekultivierung, die wir auch in unseren anderen Steinbrüchen weltweit einschlagen wollen“, sagt Rademacher.

 
Schon blühen die ersten Blumen im aufgefüllten Bereich des Steinbruchs.
Mittlerweile sprießen schon die ersten Blumen und Gräser, in zwei Jahren werden kleine Sträucher und Baumsprösslinge das Bild prägen. Bis dahin wird das Jutenetz verrottet sein, und die Pflanzen können der Erde selbst den nötigen Halt geben. „Wenn sich dann in fünf bis zehn Jahren ein gesunder Strauchbestand entwickelt hat, können wir durch gezielte Pflege den Aufwuchs von hochstämmigen Waldbäumen fördern“, erklärt Wolfgang Röske. Bis auf dem Gelände allerdings wie früher ein Wald steht, werden noch dreißig bis fünfzig Jahre vergehen. Und auch dann
wird es nicht aussehen wie früher. Denn in den belassenen stillgelegten Steinbruchflächen werden Pflanzen- und Tierarten leben, die früher in dieser Landschaft sehr selten waren, zum Beispiel die Gottesanbeterin oder die Blauflügel-Ödlandschrecke. 

Der Kapf
Der Steinbruch Kapf ist die Grundlage des zwei Kilometer entfernten Kalkwerks Istein, eines der größten und modernsten Kalkwerke in Süddeutschland. Etwa 100 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Im Kapf wird sehr reiner Oxfordien-Kalkstein abgebaut, der vor etwa 160 Millionen Jahren aus den Überresten von Korallen und Muscheln entstanden ist. Geologisch gehört er zum Weißjura, dem Malm. Der Steinbruch wurde 1982 neu erschlossen und kann bei einem Abbau von 650.000 Tonnen pro Jahr noch etwa bis zum Jahr 2040 betrieben werden.

Ansprechpartner
peter.leifgen@heidelbergcement.com
michael.rademacher@htc-gmbh.com 

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