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HeidelbergCement in Deutschland

Gesäter Wald – Eine kostengünstige und ökologisch sinnvolle Rekultivierung für Kalkrohböden

Im Raum Blaubeuren werden in mehreren Steinbrüchen die Schichten des Oberen Weißen Jura abgebaut. Auch das Zementwerk Schelklingen der HeidelbergCement AG baut hier seinen Rohstoff im nahe gelegenen Steinbruch Vohenbronnen ab. Der hohe Waldanteil der Region führt zwangsläufig dazu, dass vom Gesteinsabbau auch umfangreiche Waldflächen betroffen sind. Überwiegend handelt es sich dabei um Buchenwälder.

Blick über den offenen Bereich im oberen Hangviertel der Rekultivierungsböschung vom Transekt aus im Jahr 2004. Blick hangabwärts in die Aufnahmefläche 13 im Jahr 2004. Blick hangabwärts von Aufnahmefläche 6 im Jahr 2004.
Die Waldumwandlungsgenehmigung für den Gesteinsabbau durch die Forstbehörden wird nach § 11 LWaldG von Baden-Württemberg ausschließlich befristet erteilt. Das bedeutet, dass eine gerodete Fläche bis zu einer bestimmten Frist ordnungsgemäß wieder aufgeforstet werden muss. Diese ordnungsgemäße Wiederaufforstung fordert im Prinzip nach dem Abbau die Wiederherstellung eines Waldbestands gleicher Art und Güte. Auf den rekultivierten Flächen der Steinbrüche ist dieses Ziel zumindest kurzfristig aber nicht zu erreichen, da die Wiederansiedlung von Buchenwald normalerweise viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauert. Damit kann der Weg hin zu einem Buchenwald mit einem vertretbaren Aufwand nur über einen Pionierwald erreicht werden.

Bei den in Vohenbronnen abgebauten Böden handelt es sich überwiegend um Braunerden und Rendzinen verschiedener Entwicklungsstufen. An die Stelle des natürlichen Bodengefüges treten Rohböden, die durch die Einbringung mit schweren Maschinen teilweise stark verdichtet werden. Neben starker Vernässung neigen sie im anderen Extrem zu Austrocknung und Verhärtung. Der anfallende humose Oberboden wird auch in Vohenbronnen sorgfältig abgetragen und mit modernsten Methoden möglichst zeitnah und schonend wieder eingebaut. Allerdings ist er oft von so geringer Mächtigkeit, dass die dabei gewonnen Mengen nicht genügen, um die Rohböden ausreichend abzudecken.

Die Wiederbewaldung muss bei dieser Ausgangslage auf Schwierigkeiten stoßen. Eine sichere und einfache Methode wäre es, die Flächen der natürlichen Sukzession zu überlassen. Wie fast überall in Mitteleuropa würde sich auch auf diesen Sonderstandorten über kurz oder lang wieder Wald ansiedeln. Da der Steinbruch von Wald großflächig umgeben ist, wäre auch für einen ausreichenden Diasporeneintrag gesorgt. Andere Flächen im Steinbruch Vohenbronnen, die der natürlichen Sukzession überlassen wurden, zeigen schon nach wenigen Jahren einen vermehrten Baumaufwuchs. Allerdings dauert die natürliche Wiederbewaldung deutlich länger als es die gesetzlich gesetzten Fristen für die Rekultivierung erlauben. Aus forstwirtschaftlicher Sicht ist die ökonomische Qualität des Sukzessionswaldes sicherlich nicht günstig, da die Zusammensetzung des Waldes kaum kontrollierbar ist. Die biologische Vielfalt auf solchen natürlichen Wiederbewaldungsstandorten ist jedoch außerordentlich hoch.

Eine relativ sichere, aber auch sehr teure Methode der Wiederbewaldung ist die Ballenpflanzung. Der Kulturerfolg ist in der Regel gewährleistet, allerdings gibt es dabei keine Garantie für die spätere Bestandsentwicklung in diesem schwierigen Umfeld. Das Einbringen wurzelnackter Pflanzen führt bei den extremen Bodenverhältnissen zu erheblichen Ausfällen und der Notwendigkeit von umfangreichen Nachbesserungen.

Das Zementwerk Schelklingen der HeidelbergCement AG hat in seinem Steinbruch Vohenbronnen in Zusammenarbeit mit dem Ressort Kreisforst Naturschutz, Landratsamt Alb-Donau Kreis, Versuche mit der Ansaat von Gehölzen unternommen, um eine naturnahe Waldgestaltung zu erreichen. Hierfür wurde 1989 kontrolliertes Saatgut verschiedener heimischer Baum- und Straucharten (s. Tabelle 1) auf die Rohböden der Westhänge des Steinbruchs ohne weitere Vorbehandlung der Rohböden und des Saatgutes ausgebracht. In den Jahren 1992 und 2004 wurde die Entwicklung der Gehölzbestände mit Hilfe eines vegetationskundlichen Transekts untersucht

Die Ergebnisse der Untersuchung belegen, dass sich in einem Zeitraum von 12 Jahren eine über weite Hangbereiche dicht schließende Gehölzvegetation entwickelt hat (s. Abb. 2, 3). Am feuchteren Hangfuß erreichte die Deckung der Baum- und Strauchschicht schon im Jahr 2004 annähernd 100 %. Im oberen trockenen, sonnenexponierten Hangbereich haben sich lückige Gehölzinseln entwickelt, die mosaikartig mit Halbtrockenrasenfragmenten verzahnt sind. Mit zunehmender Deckung der Gehölze nimmt die Deckung der Krautschicht ab. In den beiden Vergleichsjahren konnten ähnlich hohe Gesamtartenzahlen erreicht werden. Allerdings schwankt die Artenzahl von Aufnahmefläche zu Aufnahmefläche in Abhängigkeit der Vegetation sehr stark. Die Abnahme der Artenzahl korreliert mit der Zunahme der Gehölzdeckung. Im Bereich der Halbtrockenrasen hat sich die Artenzahl deutlich erhöht. Im Untersuchungszeitraum kam es weiter zu einer deutlichen Verschiebung der Artenzusammensetzung (turnover ca. 41 %). Insgesamt konnten auch 10 Arten der Roten Listen von Deutschland und Baden-Württemberg nachgewiesen werden.

Mit der Aussaat der Gehölze ist es gelungen, zwei Gehölzarten in der Baumschicht und sechs der ausgesäten Arten in der Strauchschicht zu etablieren. Zahlreiche dieser Arten weisen höhere bis hohe Deckungsgrade auf und erreichen nach 17 Jahren eine Höhe von bis zu 7 Metern. Dies entspricht einer Erfolgsquote von 46 %. Angesichts der deutlich zu geringen Saatgutmenge ist dieses Ergebnis nochmals positiver zu bewerten.

Häufiger wird von Seiten der Forstwirtschaft die Ansaat von Gehölzen recht skeptisch betrachtet. Hauptkritikpunkt ist dabei die Nichtvorhersehbarkeit der sich entwickelnden Gehölzbestände. Aus forstwirtschaftlicher Sicht ist damit der ökonomische Nutzen solcher Rekultivierungsflächen auf viele Jahrzehnte ungewiss. Mag diese Kritik unter ökonomischen Gesichtspunkten durchaus richtig sein, so belegen die biologischen Daten zur Arten- und Strukturvielfalt den hohen ökologischen Wert solcher angesäten Gehölzbestände. Besonders auf Standorten, die kulturtechnisch nicht für die Pflanzung von Zielbaumarten geeignet sind, kann durch die Aussaat von Gehölzen mit vertretbarem Aufwand eine Wiederbewaldung initiiert werden. Über ein Strauch- und Vorwaldstadium entwickelt sich langfristig auch wieder ein wirtschaftlich nutzbarer Wald. Die Untersuchungen im Steinbruch Vohenbronnen belegen dies eindrücklich. Damit ist die Gehölzaussaat eine durchaus ernst zu nehmende Alternative zu den herkömmlichen Aufforstungsmethoden in Abbaustätten der Steine-Erden-Industrie. Sie ist auch ökologisch sinnvoll, weil sie an die Standorte bestens angepasste Gehölzbestände entstehen lässt. Allerdings werden bis zur Entwicklung eines artenreichen Buchenwaldes noch einige Jahrzehnte vergehen.


Gehölzartenzusammensetzung der Saatmischung
  • Acer campestre (Feldahorn)
  • Acer pseudoplatanus (Bergahorn)
  • Carpinus betulus (Hainbuche)
  • Cornus sanguinea (Roter Hartriegel)
  • Corylus avellana (Haselnuss)
  • Fagus sylvatica (Buche)
  • Fraxinus excelsior (Esche)
  • Prunus mahaleb (Steinweichsel)
  • Prunus spinosa (Schlehe)
  • Quercus robur (Stieleiche)
  • Sambucus nigra (Schwarzer Holunder)
  • Sorbus aria (Eberesche)
  • Viburnum lantana (Wolliger Schneeball)


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